Im Anschluss an letzte Woche präsentiert Ihnen Kentaro Amemiya, auch bekannt als Ameken, vom Kasai Rinkai Aquarium den zweiten Teil seines Segelberichts (
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Schließlich wird das unbemannte Tauchboot Hyper Dolphin die Tiefsee-Hydrothermalquellen erreichen und die Hydrothermalquellen-Biome beobachten.
Die hydrothermale Quelle, in die wir tauchten, spuckte aktiv heißes Wasser. Die mit dem heißen Wasser ausgestoßenen Substanzen hatten das Meerwasser vollständig weiß gefärbt, sodass es aussah, als würden wir in einer dicken Schüssel Tonkotsu-Suppe tauchen. Vorsichtig setzten wir unseren Tauchgang fort und erreichten schließlich eine Stelle mit klarem Wasser. Dort entdeckten wir unzählige Lebewesen, die die hydrothermale Quelle umschwärmten.
Als Erstes fiel mir die Yunohana-Krabbe ins Auge. Da sie in hydrothermalen Quellen lebt, trägt sie einen charmanten japanischen Namen, abgeleitet von den „Ablagerungen heißer Quellen“, die dort entstehen. Diese Krabbe besitzt keine Pigmente und ist daher reinweiß. Ihre Nahrung besteht aus Bakterien und Garnelen, die sie in der Nähe der hydrothermalen Quellen findet. Übrigens: Da sie keine Pigmente besitzt, verfärbt sie sich beim Kochen nicht rot, anders als gewöhnliche Krabben.
Die Yunohana-Krabben klettern an etwas hoch, das wie eine Röhre aussieht. Bei dieser Röhre handelt es sich in Wirklichkeit um einen Vielborster namens Satsuma haorimushi. Satsuma haorimushi bauen eine röhrenförmige Struktur, die sogenannte Wohnröhre, und leben darin. In ihrem Körper leben außerdem Bakterien in Symbiose. Die Würmer überleben, indem sie Nährstoffe aufnehmen, die diese Bakterien mithilfe von Schwefelwasserstoff und anderen Substanzen chemisch synthetisieren. Sie sind ein Paradebeispiel für Lebewesen, die an das Leben in der Nähe von hydrothermalen Quellen angepasst sind.
Zudem wimmelt es an den hydrothermalen Quellen von unzähligen Garnelen, Muscheln und Seezungen, doch die Artenvielfalt ist nicht besonders groß. Anders als in den flachen Meeren in unserer Nähe gibt es dort nur wenige verschiedene Fisch-, Schalentier- oder Krebsarten.
Das liegt daran, dass die Umgebung dieser hydrothermalen Quellen Schwefelwasserstoff enthält, der für Tiere giftig ist. Nur Lebewesen mit sehr speziellen Körperfunktionen, die von diesem Schwefelwasserstoff unbeeinträchtigt bleiben oder ihn sogar nutzen, wie beispielsweise einige Röhrenwürmer, können hier leben. Die Lebensgemeinschaft an den hydrothermalen Quellen war eine Ansammlung einzigartiger Lebewesen.
In den Lebensgemeinschaften hydrothermaler Quellen werden ständig neue Organismenarten entdeckt. Dennoch bleiben viele Rätsel ungelöst, beispielsweise wie Organismen zu den Hunderte von Kilometern entfernten hydrothermalen Quellen wandern. Ich freue mich auf zukünftige Forschung, die noch mehr Geheimnisse und Wunder der Tiefsee enthüllen wird.
Nun, wenn Sie diesen Artikel lesen, neigt sich unsere lange, aber doch kurze Reise dem Ende zu. Bis wir uns in der AmeKen-Serie wiedersehen. Vielen Dank fürs Lesen.
Foto: Eine weißhäutige Krabbe, die japanische Blumenkrabbe (Foto vom Autor)
(Fotografie-Unterstützung durch: Japanische Agentur für Meeres- und Geowissenschaft und Technologie [JAMSTEC])
[Kentaro Amemiya, Tierpflege- und Ausstellungspersonal, Kasai Rinkai Aquarium]
(6. August 2010)